23. April 2018

Susan Jane Gilman: Die Königin der Orchard Street

Erschienen im Insel Verlag
Malkas Familie flieht aus Russland. Mit dem Schiff soll es nach Kapstadt gehen. Die Mutter versteckt in Malkas Mantel das Geld und gibt ihr Order, zu brüllen wie am Spieß, wenn es jemand wagen sollte, an den Mantel zu gehen. Als die Mutter und Schwestern krank werden, müssen sie noch vor der Abreise in Quarantäne. Doch als der Vater Malka das Geld abnimmt, kommt sie nicht dagegen an. Dieser tauscht die Tickets nach Kapstadt gegen Tickets nach Amerika ein.
Doch vom gelobten Land merkt die Familie nichts. Sie leben weiterhin in Armut. Die Mädchen müssen arbeiten gehen. Der Vater macht sich eines Tages, wie so viele Familienväter, aus dem Staub und lässt die Familie hängen. An der ganzen Misere gibt die Mutter Malka die Schuld, weil sie es zugelassen hat, dass der Vater das Geld nahm.
Auf der Suche nach dem Vater rannte Malka vor ein Pferdegespann und wurde so schwer verletzt, dass sie in ein Spital musste. Die Mutter wollte sie nicht zurück haben.

"Schlimm genug, dass sie eines von vier Mädchen ist. Schlimm genug, dass sie hässlich ist. Und jetzt sagen Sie mir auch noch, dass sie ein Krüppel ist? Bitte, Herr Doktor, sagen Sie's mir. Was soll ich mit so einer Tochter anfangen? [...] Behalten Sie sie meinetwegen. Sie ist nutzlos."

21. April 2018

Janne Mommsen hat dieses Buch "allen Buchhändlerinnen und Buchhändlern" gewidmet, was ich einen sehr schönen Zug finde.

Greta Wohlert ist seit mehr als zwanzig Jahren Stewardess von Beruf. Nach einem Zusammenbruch bei der Arbeit wird sie drei Tage krank geschrieben und nutzt die Zeit, um ihre Tante Hille auf einer kleinen Nordseeinsel zu besuchen.

So weit Greta zurückdenken kann, war das Haus ihrer Tante ein Haus voller Bücher.

"Dort konnte man die Wände nicht einmal erahnen, es sah so aus, als würde das Gebäude allein durch Zigtausende Bücher gestützt! Sie waren an jeder nur denkbaren Stelle gestapelt: in Regalen, unter den Treppenstufen, im Badezimmer, überall." Das erinnert mich an ein Antiquariat in Oberhausen, das ich mal entdeckt habe.

Doch als sie nun das Haus der Tante betrat, erschrak sie heftig. Die Bücher waren alle verschwunden. Sie sind nun unten im ehemaligen Laden. Da sie diesen vermieten will, müssen die Bücher nun alle verschwinden.

Dunmore, Helen: Im ersten Licht des Tages

Als es Komplikationen mit Isabels Schwangerschaft gibt, zieht ihre Schwester Nina für einige Tage zu ihr. Diese Tage haben es für Nina in sich - ihr ganzes Leben verändert sich, denn sie verliebt sich, und ein Geheimnis aus Kindheitstagen der beiden Schwestern kommt plötzlich ans Licht.

Das war schon ein eigenartiges Buch. Es plätschert so dahin, erscheint irgendwie keinen Sinn zu geben. Und trotzdem konnte ich es nicht aus der Hand legen. Irgendwas muss doch da noch kommen. Gut, Nina, die eigentlich wegen ihrer Schwester gekommen ist, der es nach der Entbindung noch nicht wieder gut geht, fängt ein Verhältnis mit deren Mann an, aber weltbewegend ist das nicht.
Und die anderen Personen, die sich noch mit im Haus aufhalten, scheinen nur Staffage zu sein: Susan, das Kindermädchen, Richard, Isabels Mann und Edward, der schwule Freund von Isabel.
Und immer wieder taucht der Name Colin auf, der mit drei Monaten den Kindstot starb. Oder doch nicht? Spielen Ninas Erinnerungen ihr einen Streich?
Und dann, im ersten Licht des Tages erschließt sich uns mit dem letzten Satz des Buches die ganze Wahrheit.

18. April 2018

Marina Bohlmann-Modersohn: Clara Rilke-Westhoff: Eine Biografie Ein Leben für die Kunst

Clara Henriette Sophie Westhoff ist 17 Jahre jung und möchte unbedingt nach München. Um 1900 gilt München neben Paris als führende Kunststadt Europas. Aber weiß Clara, welche Widerstände ihr begegnen werden? Auch wenn die Eltern ihre Liebe zur Malerei gefördert haben, Malerinnen sind in der Unterzahl. Noch dazu solche, die ihr Geld damit verdienen können. Das können die Herren der Schöpfung nicht zulassen.

"Ist ihr bewusst, wie groß die männliche Konkurrenz ist, wie verschworen die Bünde der Meistermaler, die malende junge Frauen als Dilettantinnen verhöhnen und ihnen das Tor zu einem Akademiestudium immer noch verschlossen halten? Kann sie sich ein Bild machen, wie schwierig die Lebensbedingungen speziell für Künstlerinnen sind und schließlich: Wie kaum vereinbar Leben und Kunst?"


Doch solche Fragen stellt sich die 17-Jährige noch nicht. Und so packt sie im Oktober 1895 ihre Koffer.

14. April 2018

Claus Räfle: Die Unsichtbaren - Untertauchen, um zu überleben. Eine wahre Geschichte

Sechs Millionen jüdische Menschen kamen im Zweiten Weltkrieg um. Eine Zahl, die man sich kaum vorstellen mag. Vier Millionen Holocaust-Opfer hat das Forschungsinstitut Yad Vashem bis 2010 namentlich dokumentiert.

Wenn man diese Zahlen liest, kann man sich kaum vorstellen, dass es jüdische Menschen in Deutschland gab, die den Krieg überlebt haben.

Von einer Familie habe ich hier schon einmal berichtet.

In Die Unsichtbaren von Claus Räfle lernen wir vier junge Menschen in Berlin kennen, die die Flucht nach vorne wagen. Doch es ist riskant. Nicht nur wegen der Nazischergen, vorsehen müssen sie sich auch vor der "führerblinden ,Volksgemeinschaft', die von ihrem Leid nichts wissen will, die Scheuklappen aufsetzt oder mit Freude kollaboriert".
Doch nicht alle Berliner waren so. Circa 1700 bis 2000 Juden haben das Unmögliche geschafft - und das konnten sie nur mit der Hilfe von Menschen, die sich ihre Menschlichkeit bewahren wollten.

13. April 2018

Arturo Pérez-Reverte: Der Club Dumas

Bücherliebe kann tödlich sein

Was für ein tolles Buch!!! Das schon mal vorab.
Und das gilt gar nicht mal für die Handlung, sondern für die vielen Passagen über Bücher, Schriftsteller. Besonders empfehlenswert für Dumas-Freunde und insbesondere für Freunde der drei Musketiere. Die haben sicher ihre helle Freude daran. Dabei muss man die Musketiere nicht zwingend kennen, aber für die, die es tun, ist es sicher ein i-Tüpfelchen.
Schon auf der ersten Seite gibt es einen Toten. Er wurde erhängt. Oder war es Selbstmord? Auf dem Boden liegt ein Buch, "Der Graf von Bargelonne", in dem eine Textstelle markiert ist:

"Sie haben mich verkauft", murmelte er. "Man erfährt alles!"
"Ja, am Ende erfährt man alles", erwiderte Porthos, der rein gar nichts erfahren hatte.
Der Beamte wundert sich: "Seltsam, das mit dieser Seite... Ich lese zwar wenig", sagte er, "aber dieser Porthos war doch einer von den... Wie hießen sie noch gleich? Athos, Porthos, Aramis und d'Artagnan", zählte er mit dem Daumen an den Fingern einer Hand ab und verharrte dann nachdenklich. "Schon komisch. Ich habe mich immer gefragt, warum man sie die drei Musketiere nennt, wenn es in Wirklichkeit doch vier waren."


12. April 2018

Wider/Gegen Das Vergessen - Challenge


Durch monerl bin ich auf Sabrinas tolle Aktion aufmerksam geworden und möchte mich anschließen. Ich lese ja schon eine ganze Weile "Gegen das Vergessen" und finde es oft schwer, mich in das Leid der Menschen hineinzulesen. Zu grauenhaft ist das, was sie erleben mussten.
Aber das Thema ist einfach zu wichtig, als dass man es unbeachtet lassen kann. Gerade heute, wo rechte Stimmen laut und anscheinend gesellschaftsfähig werden. Wo Rassismus in den Sozialen Medien sich ungestraft ausbreiten darf.
Nach so manchem Buch frage ich mich, warum wir uns das antun, ob wir überhaupt jemanden erreichen. Hier in unserer kleinen Bloggerwelt sind wir ja Gleichgesinnte, die nicht überzeugt werden brauchen. Aber ich denke, wenn wir nur einen Leser erreichen, der schwankend in seiner Meinung ist, ist es das wert.

Ich werde hier meine selbst gelesenen Bücher auflisten und auch Rezensionen von anderen Bloggern mit verlinken.

Meine Buchvorstellungen
Michael Morpurgo: Nur Meer und Himmel - Die Geschichte meines Großvaters
Karen Levine: Hanas Koffer
Mietek Pemper: Der rettende Weg - Schindlers Liste - Die wahre Geschichte
Friedrich Torberg: Mein ist die Rache
Reiner Engelmann: Der Fotograf von Auschwitz - Das Leben des Wilhelm Brasse
Jurek Becker: Jakob der Lügner
Valentin Senger: Kaiserhofstr. 12
Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein
Charlotte Krüger: Mein Großvater, der Fälscher - Eine Spurensuche in der NS-Zeit
Karlen Vesper: Die Puppennäherin von Ravensbrück - Zwölf Porträts
Hans von Dohnanyi: Mir hat Gott keinen Panzer ums Herz gegeben
Bianca Schlosser: Warten auf Lohengrin - Ein Leben zwischen Ötlingen und Dresden
Alex Wedding: Ede und Unku Bruno Apitz: Nackt unter Wölfen
Kathrine Kressmann Taylor: Adressat unbekannt


Buchvorstellungen von Bloggerfreunden


monerls bunte Welt
Anne Frank: Tagebuch
Erich Hackl: Abschied von Sidonie
Anne Frank, Ari Folman, David Polonsky: Das Tagebuch der Anne Frank
Charlotte Roth: Weil sie das Leben liebten

Kathrine Kressmann Taylor: Adressat unbekannt



Gekauft hatte ich es hauptsächlich, weil es in Briefform geschrieben ist. Ich hatte auch schon einige Meinungen zu diesem Buch gelesen und war sehr gespannt, wie die Handlung in dieses dünne Büchlein passen sollte.

Max Eisenstein und Martin Schulse sind Geschäftspartner, Freunde, und führen in San Francisco eine Kunstgalerie, die sehr gut läuft. 1932 siedelt Martin nach München über und wird mit der Zeit mehr und mehr bekennender Nationalsozialist. Diese Entwicklung kann man sehr gut aus seinen Briefen herauslesen.
Als eines Tages Max' Schwester Griselle vor Martins Tür steht und Hilfe benötigt, da sie von SA-Männern verfolgt wird, verwehrt er sie ihr. Das ist Griselles Todesurteil.

Max beginnt nun, sich für den Tod seiner Schwester zu rächen. Wie diese Rache aussieht, das zu lesen, lege ich euch ans Herz.

Das Buch erschien 1938 unter dem Pseudonym Kressmann Taylor, da ihr Verleger meinte, ein politischer Text einer Frau würde nicht ernst genommen.
Es ist gespickt mit einem Vorwort von Elke Heidenreich. Wer neugierig auf das Buch geworden ist, dem empfehle ich, dieses Vorwort erst im Nachhinein zu lesen, da es schon sehr viel von der Handlung vorwegnimmt. Allerdings habe ich gelesen, dass bei den neueren Auflagen das Vorwort nach hinten verschoben wurde.

10. April 2018

Erik Neutsch: Spur der Steine

Meine Ausgabe ist von 1964 vom Mitteldeutschen Verlage (Halle/Saale) und ich habe es aus der Bibliothek meines Vaters. Es ist also eines der wenigen Bücher, die schon Jahrzehnte bei mir sind.
Es war damals ein umstrittenes Buch. Ebenso wie später der Film, der nur ein paar Tage im Kino lief und dann verschwand.
Es ist kein typisches Propagandageschwafel - nein, es zeigt die Probleme beim Aufbau des Sozialismus auf. Es zeigt, wie schizophren oft die Vorgaben der Partei waren. Einerseits wurden Pläne vorgegeben, die aber bei der Mangelwirtschaft nicht erfüllt werden konnten, woraus dann oftmals ein Chaos entstand.
Die Geschichte spielt hauptsächlich auf der Baustelle des Chemiekombinates Schkona im Industrie-Dreieck um Halle, Schkopau und Leuna, nachempfunden der beiden großen Chemiekombinate Buna bei Schkopau und Leuna. Hier regiert Hannes Balla mit seiner Brigade. Bei Balla, so heißt es, kann man ordentlich Geld verdienen. Und er sorgt dafür, dass immer Material da ist. Und wenn sie es sich von anderen Brigaden klauen müssen.

9. April 2018

Irene Oberthür: Mein fremdes Gesicht

Claudia B. kommt sehr, sehr langsam zu sich. Um sich herum hört sie Stimmen. Von einem zermatschten Auge ist die Rede. Dann hört sie die schrillen Töne der Schnellen Medizinischen Hilfe. Wachsein und Dunkelheit wechseln sich ab. Schmerzen im Mund, den Kopf am besten nicht bewegen, vom Nabel abwärts fehlt jedes Gefühl.
Claudia hatte einen Unfall. Ein Auto ist frontal auf sie zugefahren, sodass sie mit dem Gesicht vorneweg durch die Windschutzscheibe flog. Als Krankenschwester weiß sie eigentlich, wie sie sich als Patientin zu verhalten hat. Eigentlich. Noch hat sie keinerlei Vorstellungen ihrer Verletzungen im Gesicht. Sie weiß nicht, wie sie aussieht. Und als sie sich endlich im Spiegel sehen darf, ist sie am Boden zerstört.
Der erste Gedanke ist: Sterben, so will sie nicht leben.

Und doch lebt sie. Von einem Tag zum anderen. Der Körper erholt sich so weit, dass sie nicht mehr auf der Intensivstation bleiben will. So wird sie in ein Mehrbettzimmer verlegt, in dem sie es kaum aushält. Frühzeitig verlässt sie die Klinik und geht nach Hause. An ihrem letzten Tag im Krankenhaus schreibt sie ins Brigadetagebuch der Station: "Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur ein einziges Mal gegeben..." Wer "Wie der Stahl gehärtet" von Nikolai Ostrowski gelesen hat, wird sich sicher an diese Worte erinnern.

Doch nun beginnt der Kampf. Jeden Tag aufs Neue... Und wie sie kämpft, finde ich bewunderungswürdig. Aber lest selbst...

7. April 2018

Neu im Regal

Bevor die Neubestellungen eintrudeln, möchte ich euch doch noch zeigen, was die letzte Zeit so den Weg in mein Regal gefunden hat. Ich fange mal oben an:

6. April 2018

Elizabeth Joy Arnold: Einundachtzig Worte

Ich wage mich mal weit aus dem Fenster hinaus, wenn ich euch verspreche: Wenn ihr dieses Buch beginnt, lässt es euch nicht mehr los. Und es gab noch keine Geschichte, bei der ich mir so sehr gewünscht habe, dass es ein Happy End gibt.

Chloe und Nate kennen sich schon seit der Kindheit. Bücher sind ihr Lebenselixier. Sie helfen ihnen in allen Lebenslagen. Nicht von ungefähr haben die beiden einen Buchladen eröffnet.
Eines Tages, als Chloe vom Einkaufen zurückkommt, ist Nate verschwunden. Einundachtzig Worte hinterließ er auf dem Küchentisch. Aber so richtig schlau wurde Chloe aus den Sätzen nicht.
Sie versuchte, ihn am Handy zu erreichen, bis sie merkte, dass er es zu Hause gelassen hatte. Nur widerwillig rief sie bei seiner Schwester Cecilia an, da sie befürchtete, es könne deren Vater, der kürzlich aus dem Gefängnis entlassen wurde, am Appart sein. Aber sie hatte Glück und erfuhr erst mal im Groben, dass alles seine Ordnung hatte.
Aber warum fuhr Nate dorthin, wo vor zig Jahren ihr Sohn verschwunden ist? Was verbirgt er vor ihr?

Warum Cecilias Vater im Gefängnis war? Es bleibt ein Rätsel, wie so vieles andere. Erst mal.

3. April 2018

Eva-Maria Hagen: Eva und der Wolf


Von der ersten bis zur letzten Seite hat mich das Buch gepackt. Die letzte Bildunterschrift lautet: „Frühjahr 1977, Wolf und Eva im Westen angekommen, aber trotz des schönen Apfels nicht im Paradies“.


31. März 2018

Nils Uddenberg: Die Katze, die kam, um zu bleiben

Die Katze, die kam, um zu bleiben wurde in Schweden ein Überraschungsbestseller.
Nils Uddenberg, Jahrgang 1938, ist von Beruf Professor für Psychiatrie und Schriftsteller. Seine bisherigen Werke zielten auch in diese Richtung, bis ihm eines Tages eine Katze zulief.

Und das kam so:

Das Ehepaar Uddenberg lebt in Lund in einem kleinen Haus mit Garten und ging gerne auf Reisen. Von einer Reise nach Namibia kehrte es Ende Oktober zurück. Und plötzlich, eines Morgens, saß eine Katze auf dem Tor, das immer verschlossen ist. Ein paar Tage später bemerken sie, dass sich die Katze wohl in ihrem Geräteschuppen häuslich niedergelassen hat.
Als die beiden für zwei Wochen in ihre Stockholmer Wohnung fuhren, hoffte der Professor, dass die Katze bei ihrer Rückkehr verschwunden wäre. Doch weit gefehlt.

Dabei ist das Ehepaar fest davon überzeugt, dass es sich nicht als Katzenhalter eignet. Dafür sind sie zu viel unterwegs, gehen zu gerne auf Reisen. Doch die kleine Mieze schleicht sich langsam, aber sicher in ihr Herz.

27. März 2018

Bruno Apitz: Nackt unter Wölfen

Bruno Apitz, 1900 geboren, war in verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert, zuletzt acht Jahre bis zur Befreiung im KZ Buchenwald.

Schon ziemlich zu Beginn bin ich über diesen Satz gestolpert:

Deutsches Volk, was für ein Rindbvieh bist du ... Erst verdunkelst du dir das Gehirn und dann die Fenster.

Wenn ich so schaue, mit was wir uns heutzutage beschäftigen, was die Masse für ein TV-Format schaut, wie die Politiker uns für dumm verkaufen und nur noch eine Politik des Geldes betreiben, dass der Paragraf 1 des Grundgesetzes schon längst überholt ist, was uns alles verschwiegen wird, was für Kriegstreiber wir eigentlich sind, da finde ich das Zitat beängstigend aktuell.


Zweiter Weltkrieg, die letzten Monate vor der Befreiung.

Ein kleiner Junge wird von einem polnischen Häftling mit ins KZ Buchenwald geschmuggelt. Ein paar Männer verstecken ihn entgegen den Befehlen des illegalen Internationalen Lagerkomitees, als der Pole nach Bergen-Belsen verlegt wird. Das wäre das Todesurteil des Jungen gewesen.

22. März 2018

In eigener Sache

Ihr Lieben,

hier und da habe ich ja in einem Kommentar schon erwähnt, dass ich immer mal ältere Buchvorstellungen poste. Die habe ich alle noch vom alten Blog, wo es, nach der Handvoll Kommentare, die ich dort erhalten habe, niemanden interessiert hat, wie ich die Bücher fand. Und da ich in den letzten Jahren "Lesetagebuch" geführt habe, habe ich die Bücher da wirklich nicht beurteilt.
Es kann höchstens sein, dass man meine Begeisterung über ein Buch herausliest.

Da ich in der kommenden Zeit vermehrt ältere Bücher vorstelle, wird das sicherlich noch öfter vorkommen. Von daher entschuldige ich mich jetzt schon mal für die fehlende Wertung.

Momentan habe ich irgendwie eine Schreibblockade, sprich, ich lese meine aktuellen Bücher nur, ohne darüber zu schreiben. Das kommt immer mal wieder bei mir vor. Von daher bin ich ganz froh, dass ich noch Buchvorstellungen in Reserve habe.

Mich persönlich macht diese Blockade nicht traurig, weil ich gerade dermaßen viel Lust habe, wieder kleine Biografien zu schreiben. Ich hatte ja mal erwähnt, dass ich da einen Blog bei Wordpress habe.

Also, irgendwo könnt ihr mich immer lesen.

Liebe Grüße
Eure Anne

Rose Tremain: Und damit fing es an

Wir schreiben das Jahr 1947 und befinden uns in Matzlingen, Schweiz.
Der kleine Gustav lebt mit seiner Mutter Emilie in einer kleinen Wohnung. Der Vater lebt nicht mehr, Gustav kann sich gar nicht an ihn erinnern. Die Mutter ist verbittert, sie hatte schon bessere Zeiten erlebt. Ja, es kommt so weit, dass sie für Samstagvormittags noch einen Job annehmen muss. Zu dem begleitet Gustav seine Mutter. Sie putzen in der Kirche für die Wochenendgottesdienste.

1948, Gustav besucht die Vorschule, kommt auch Anton in diese Schule. Er traut sich gar nicht richtig ins Schulzimmer, bleibt vorne stehen und fängt unaufhaltsam an zu weinen. Die Lehrerin beauftragt Gustav, mit Anton nach draußen in die Sandkiste zu gehen und eine Burg zu bauen.

Und damit fing es an - wunderbar passt hier der Buchtitel.

Die beiden Jungen freunden sich an. Anton besucht Gustav sogar zu Hause. Doch Emilie will ihn danach nicht mehr in der Wohnung haben. Er ist ein Jude. Gustav kann damit nichts anfangen.

"Ach", sagt Emilie. "Die Juden sind die Leute, wegen denen dein Vater gestorben ist, als er sie retten wollte."


17. März 2018

Veronika May: Der Duft von Eisblumen

Rebekka arbeitet in der Werbebranche und erfährt eines Tages durch Zufall, dass sie nur der Quote wegen in den Vorstand aufgenommen wurde und nicht etwa, weil sie so tolle Arbeit leistet. Als diesen Platz dann auch noch ihr Verflossener bekommt, setzt das dem die Krone auf. Als sie auf dem Heimweg im Stau steht und neben ihr ein unangenehmer Typ lauthals in sein Handy schreit, ist das Maß für sie voll: Sie gibt Gas und fährt dem in seinen Wagen. Und um sich auch noch jedwede Ausrede zu erschweren, dass es sich um einen Zufall handeln könnte, gibt sie den Rückwärtsgang ein und knallt ihm noch einmal rein.
So kann ihr Anwalt nicht verhindern, dass sie 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten muss. Aber er kann verhindern, dass sie die in irgendeinem Altenheim oder Kindergarten verbringen muss. Zufällig schneit nämlich sein Gehilfe ins Büro und erzählt ihm, dass er zu seiner Oma nach Hause fahren muss. Die braucht kurzfristig eine Betreuung. Was liegt da näher, als dass Rebekka da einspringt.

15. März 2018

Neu im Regal


Erinnert sich jemand noch an das Buch Nackt unter Wölfen von dem DDR-Schriftsteller Bruno Apitz? 2015 habe ich es gelesen und muss mal schauen, ob ich darüber noch eine Buchvorstellung zusammen bekomme.

In diesem Buch wird die Geschichte von Jerzy Zweig, dem jüdischen Buchenwaldkind, erzählt. Die Kommunisten haben ihm damals im Lager das Leben gerettet.
Ich kenne noch den DDR-Film und auch beim Buch habe ich oftmals weinen müssen.

Gestern nun auf dem Heimweg habe ich im Kulturfunk die kurze Geschichte eines anderen Jungen erfahren: Willi Blum, ein junger Mann aus der Opfergruppe der Sinti und Roma, die in unserer Geschichtsschreibung anscheinend überhaupt nicht thematisiert wird.

Da hat es auch nicht geholfen, dass ich gerade Ede und Unku gelesen habe, denn auch in dieser Geschichte geht es hauptsächlich um den Klassenkampf, nicht um die Zigeuner.


14. März 2018

Audur Jónsdóttir: Wege, die das Leben geht

"Nun verlass doch endlich diesen Mann." - "Tu mir den Gefallen und nimm irgendwas anderes zu dir als nur dieses Hurenfrühstück (Kaffee und Zigarette, Anm. der Leserin)!" - "Ich wünschte mir, du würdest etwas anderes mit deinem Leben anfangen, als zu qualmen wie eine abgehalfterte Seemannsbraut." - Das sind so Sätze, die Eyja von ihrer Oma zu hören bekommt. Und irgendwie hatte sie recht. Eyjas Mann war versoffen, arbeitsscheu und hätte vom Alter her ihr Vater sein können.
Eyjas Mutter und beste Freundin Runa machen den Vorschlag, mit Rúna nach Schweden zu reisen. Oma schenkt ihr sogar das Geld dafür und wenn sie es nicht für sich selbst tun will, dann doch für ihren Roman.
Eyja ziert sich ein bisschen. Was soll aus ihrem Mann werden? Wer sorgt für ihn? Doch diesmal lässt sie sich schnell von den drei Frauen überreden.

Ja, Eyja will einen Roman schreiben. Bisher hat es nur für eine Kolumne gereicht. Auch ihre Mutter hat für die Zeitung geschrieben. Bis Eyja kam. "Eyja hatte ihre Mutter umgebracht..." Ihre Mutter hat gut geschrieben:

"Diese vergilbten Kolumnen waren wie eine echte italienische Pizza: knusprig und frisch. Jedes Wort war saftig, aromatisch und irgendwie genau deshalb an der richtigen Stelle, weil es an der falschen stand - so wie die Menschen in Mamas Zeichnungen durch ihre schiefen Proportionen genau richtig getroffen waren."