26. Mai 2018

Frances Greenslade: Der Duft des Regens

Familienschicksal ohne Happy End

Maggie schreibt diese Geschichte auf. Jenny bat sie darum, das Ganze für sie zu sortieren. Sie lebten in den Wäldern von Kanada, in Duchess Creek. Das Haus, in dem sie wohnten, war keines, in dem man alt werden konnte. Ab und an gab es Strom, aber nur für die Lampen. Es gab zwar einen Elektroherd, aber die Mutter kochte, wenn überhaupt, lieber auf dem Holzofen. Wenn sie im 20. Jahrhundert ankommen wollte, meinte sie, dann würde sie nach Vancouver ziehen. Als Toilette gab es ein Plumpsklo. Und direkt am Waldrand wurde eine schwere Badewanne aufgestellt.
Die Mädchen hatten wohl eine glückliche Kindheit, doch Maggie machte sich tagtäglich Sorgen. Sorgen darüber, dass ihre Mutter sich mit der Axt verletzte, oder dass sie, wenn sie von der Schule nach Hause kam, ihr Häuschen zu Asche verbrannt vorfand.

"Wir waren eine normale Familie; das ist unsere Geschichte. Unsere Tage bestanden aus Flussufern und Schotterstraßen, Fahrrädern und Grashüpfern. Aber sobald du Gedanken spinnst, öffnest du eine Tür. Du lockst die Tragödie an. Das hat meine Sorge mich gelehrt."

Das ging so weit, dass Maggie abends nicht einschlafen konnte, nachts noch einmal aufstand, um in die Küche gehen zu können, um etwas zu trinken. Dabei vergewisserte sie sich, ob alles in Ordnung war.
Eine glückliche Kindheit stelle ich mir irgendwie anders vor. Von solchen Ängsten sollte doch kein Kind geplagt sein.

23. Mai 2018

Petra Hartlieb: Meine wundervolle Buchhandlung


"Du musst sofort kommen. Wir haben die Buchhandlung gekauft. Scheiße, wir haben eine Buchhandlung gekauft!"

Für diesen Satz liebe ich Petra Hartlieb. Da hat die Familie Hartlieb - Frau, Mann und zwei Kinder -, zufrieden in Hamburg lebend, mal eben so eine Buchhandlung in Wien gekauft. Man hat ja einen Ex, der einem einen zinslosen Kredit gewährt und man hat Freunde in Wien, die einem ein Dach überm Kopf bieten, bis die Wohnung bezugsbereit ist. Was soll's also: Kaufen wir eine Buchhandlung.

Es ist die zweite Oktoberwoche, am 4. November soll in Wien Eröffnung sein. Es muss gekündigt werden, ein Kindergartenplatz gesucht werden, umgezogen werden und ein Buchladen muss neu renoviert und bestückt werden. Und dann muss der Mann nach der Neueröffnung wieder nach Hamburg zurück, seine halbjährige Kündigungsfrist einhalten. So steigt er ins Auto und lässt mich "als frischgebackene alleinerziehende Unternehmerin ohne eigene Wohnung zurück. Mich, die ich nie mehr alleinerziehend sein wollte. Auch nie Unternehmerin. Und Buchhändlerin bin ich ja auch nicht. Wie gut, dass ich keine Zeit habe, darüber nachzudenken, wie sehr ich mich überfordert fühle".

Swetlana Alexijewitsch: Die letzten Zeugen: Kinder im Zweiten Weltkrieg

Zig Jahre haben sie geschwiegen. Aber irgendwann muss es hinaus. Beim Einmarsch der Deutschen in Weißrussland waren sie noch Kinder. Nun sprechen sie das erste Mal: "Die letzten Zeugen" von Swetlana Alexijewitsch.

"Ist die Welt, unser Glück oder gar die ewige Harmonie zu rechtfertigen, wenn in ihrem Namen auch nur eine einzige Träne eines unschuldigen Kindes vergossen wird? Und antwortete darauf: Nein, kein Fortschritt, keine Revolution kann diese Träne rechtfertigen. Kein Krieg. Sie wiegt immer schwerer. Nur eine einzige Träne… (nach Dostojewski)"

Mir fällt es schwer, etwas über das Buch zu schreiben. Es hat keine durchgehende Handlung. Daher möchte ich hier nur einige Kinder mit einem Satz zu Wort kommen lassen und damit vielleicht euch anregen, mehr über das Schicksal der Kinder erfahren zu wollen.

Shenja Belkewitsch, 6 Jahre, heute Arbeiterin:
So ist es in meinem Gedächtnis haftengeblieben: Krieg, das ist, wenn Papa fort ist.

Gena Juschkewitsch, 12 Jahre, heute Journalistin:
Ich hatte gedacht, im Krieg würden nur Männer getötet.

Katja Korotajewa, 13 Jahre, heute Ingenieurin für Hydrotechnik:
Ich will von den Gerüchen erzählen.

Mischa Majorow, 5 Jahre, heute Doktor der Agrarwirtschaft:
Alles aus diesen Tagen habe ich schwarz in Erinnerung: schwarze Panzer, schwarze Motorräder, deutsche Soldaten in schwarzer Uniform.

Wassja Charewski, 4 Jahre, heute Architekt:
So erschüttert hat mich im Leben nur noch die Liebe.

Es ist grauenhaft, was Kinder im Krieg erleben müssen. Und mit welchen grauenhaften Erinnerungen sie dann das ganze Leben verbringen müssen.
Als Leser fühle ich mich einfach nur ohnmächtig. Ohnmächtig deshalb, weil schon wieder solch grauenhafte Dinge geschehen.

22. Mai 2018

Blog spezialisieren?


Moin, ihr Lieben,

wer mich länger kennt, weiß, dass ich die "Bücher über Bücher" über alles liebe. Und ich habe davon auch schon eine richtig gute, nicht mehr allzu kleine Sammlung.
Nun spiele ich mit dem Gedanken, meinen Blog zu spezialisieren und nur über diese meine Lieblingsbücher zu bloggen.

Was haltet ihr davon? 

Hintergrund?
Ich liebe meinen Blog. Doch in den letzten Tagen und Wochen habe ich wirklich überlegt, ob ich das Bloggen beende. Die viele Zeit im Internet, wo ich doch schon dienstlich dreißig Stunden am PC arbeite.
Aber nein, ich weiß genau, wenn ich Schluss mache, fehlt mir was. Allerdings würde ich gerne nur noch über mein Lieblingsgenre bloggen.

Ein paar Rezensionsbücher habe ich noch, die ich natürlich noch bearbeiten werde.


Bin gespannt, was ihr von der Idee haltet.

Liebe Grüße, Eure Anne



20. Mai 2018

Helene Hanff: Die Herzogin der Bloomsbury Street - Eine Amerikanerin in London


In ihrem Briefbuch 84, Charing Cross Road konnte man immer wieder lesen, wie sehr es Helene Hanff nach London zog. Es war ihr Traum. Erst recht, wo sie doch durch ihren Briefwechsel mit dem Antiquariatsbuchhändler Frank Doel persönlichen Kontakt dorthin hat.

18. Mai 2018

Elisabeth Rynell: Schneeland

Dieser Roman, der autobiografische Elemente erhält, war der Durchbruch für die Autorin. Davor schrieb sie Gedichte, einen Roman und Essays. Der Klappentext besteht nur aus Lobeshymnen - und wie ich meine, ganz zu Recht.

Eine Frau erfährt am Telefon, dass ihr Mann im Krankenhaus nach einer Operation gestorben ist. Und diese Szene ist so eindringlich beschrieben, dass sie mir direkt unter die Haut ging und ich eine Gänsehaut bekam.

Dann ein Schwenk in eine frühere Zeit, zu einem Mann, Aron, ein Landstreicher. Er fuhr viele Jahre zur See. Nun ist er unterwegs. Er wollte nach Norden, hat Stockholm an einem Tag passiert. In seiner Begleitung der riesige Hund Lurv. Hinter Uppsala wurden die Abstände von Dorf zu Dorf größer.

Diese Wanderung ist sehr schön beschrieben. Wie der Hunger ihn fast auffrisst. Er mag nicht an jedem Haus klopfen, man weiß ja nicht, an wen man gerät.

17. Mai 2018

In eigener Sache

Moin, ihr lieben Leseratten und Buchliebhaber,

kurz und bündig: Ich suche einen Blogpartner oder eine Blogpartnerin. Hast du Lust oder kennst du jemanden, der Lust hätte?
Wie oft du postet, sei dir überlassen. Wie Du Lust und Laune hast.

Einzige Bedingung: Die vorgestellten Bücher sollten zu diesem Blog passen.Aber ob nun nur ein bestimmtes Genre oder quer durch die Bank, spielt gar keine Rolle.

Bei Interesse wirst Du als Autor freigeschaltet und kannst Dich entfalten.

In würde mich freuen, wenn sich jemand meldet. Bei Fragen, schreibe mich ruhig an (didonia64@gmail.com).

Liebe Grüße
Anne

16. Mai 2018

Sam Millar: Die Bestien von Belfast

Ein Fall für Karl Kane, Bd. 1
Nichts für schwache Nerven

Der Irish Herald meint:
"Leser mit hohem Blutdruck sollten um dieses Buch einen großen Bogen machen."

Und man braucht wirklich schon von der ersten Seite an gute Nerven, um das erste Kapitel durchzuhalten.
Drei Tatorte, drei Verbrechen, brutale Verbrechen. Und ich habe das Gefühl, Sam Millar hat sich beim Schreiben seines Buches die Hände gerieben und sich genüsslich vorgestellt, wie seine Leser eine Schnappatmung nach der anderen bekommen. Zumindest ging es mir so.

Im Prolog sind wir in den 1970er Jahren. Irgendwo im üppigen Gras liegt eine junge Frau. Man hatte ihr Drogen und Alkohol eingeflößt, sie mit mehreren Männern brutal vergewaltigt und misshandelt. Ein Bein ist gebrochen. Sie überlebt das Ganze nur, weil die Kerle denken, dass sie tot sei. Doch als diese weg waren, wurden wilde Hunde von dem Blut angezogen.


14. Mai 2018

Claire-Louise Bennett: Teich


"Vom Leben in einem einsamen Cottage an Irlands Westküste" steht im Klappentext - und ich habe mir was ganz anderes vorgestellt, als ich im Buch bekomme.
Das Buch lebt nur von den Gedanken der jungen Frau, die sich in ein einsames Cottage zurückgezogen hat. Und diese Gedanken in geballter Ladung zu verarbeiten, ist nicht immer ganz einfach. Sie denkt bruchstückhaft an ihr Leben, lernt sie einen Mann kennen, kann sie ihn nur leicht alkoholisiert ertragen.
Ehrlich gesagt, bin ich für so ein Buch derzeit nicht bereit. Mir fehlt dafür die innere Ruhe, die man, wie ich meine, dafür unbedingt braucht.
Was ich sagen kann, ist, dass es toll geschrieben ist. Und wenn ich meine, die Ruhe dafür zu haben, werde ich es auf jeden Fall noch einmal in Angriff nehmen.

Petra Gust-Kazakos: Gefahren des Lesens

Schon bevor das Buch richtig losgeht, finde ich mein Lebensmotto:

Sobald ich ein wenig Geld bekomme, kaufe ich Bücher; und wenn noch was übrig bleibt, kaufe ich Essen und Kleidung.

                                        Erasmus von Rotterdam

Ob das nun klug oder dumm ist, ich kann nicht anders. Und wenn ich sehe, wer das Zitat mal von sich gegeben hat, bin ich doch gar nicht in so schlechter Gesellschaft.

Einige interessante Themen über das Lesen und Bücher hat Petra Gust-Kazakos hier zusammengetragen.
Für mich besonders spannend das Kapitel "Selbstbild, Fremdbild, Legendenbildung", in dem es um Biografien/Autobiografien geht und ich ihr doch tatsächlich auf den Leim gegangen bin.

13. Mai 2018

Neu im Regal


Wenn ich richtig geschaut habe, habe ich jetzt alle Bücher (bis auf die ersten beiden - nicht weil sie nicht zu bekommen waren, die wollte ich nicht) von Ken Follett bekommen. Gebraucht - für 22,80 Euro incl. Verpackung/Versand.
Ich habe gleich nach dem Auspacken das Foto gemacht, ohne die Papieraufkleber abzufummeln. Das habe ich mittlerweile nachgeholt.

Von Ken Follett habe ich - damals noch in Rostock - Die Säulen der Erde und Die Pfeiler der Macht gelesen, die mir sehr gut gefallen haben. Und natürlich kenne ich den Film Die Nadel.

Eine ganze Weile überlegte ich nun schon, ob ich noch einmal mit Follett beginne und habe nun einfach mal den Anfang gemacht und sie mir alle zugelegt. Und für den Preis kann man nichts sagen.

12. Mai 2018

J.R. Moehringer: Tender Bar

An dem Tag, als ich dieses Buch begonnen habe, war ich wahrscheinlich mit dem falschen Bein aufgestanden. Wie anders kann es sonst sein, dass ich vierzig bis fünfzig Seiten brauchte, um richtig in das Buch reinzukommen. In der Regel weiß ich nach zehn, zwanzig Seiten, ob es meines ist oder nicht.
Aber gut, glücklicherweise gebe ich Büchern ja eine Achtzig-bis-hundert-Seiten-Chance, um mich zu überzeugen. In diesem Falle wäre mir ansonsten ein tolles Buch entgangen.

Die Geschichte ist autobiografisch. Was das betrifft, lese ich ja lieber Frauen-Biografien. Noch dazu ist der Autor Jahrgang 1964. Mein Jahrgang. Diese Zeit finde ich persönlich nicht so wahnsinnig interessant. 
So verschieden sind unsere Kindheitserinnerungen gar nicht, wenn ich mich jetzt mal mit J. R. vergleiche. Der einzige Vorteil, den ich hatte, war, dass wir abgesichert waren. Meine Eltern brauchten sich wegen des Jobs oder der Wohnung keine Sorgen machen.
Aber gefühlsmäßig kann ich J. R. vollauf verstehen.

10. Mai 2018

David Gilmour: Unser allerbestes Jahr

Vater, Sohn und viele Filme

Jesse hat überhaupt keinen Bock mehr auf Schule. Papa Daniel macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag. Er darf bei Kost und Logis die Schule abbrechen. Muss sich mit Papa aber drei Filme pro Woche anschauen (das hätte mir damals mal jemand vorschlagen sollen).

Als Daniel es nach einiger Zeit Arbeitslosigkeit geschafft hat, einen lukrativen Auftrag zu angeln, fuhr er mit Jesse und dessen Mutter (seine geschiedene Frau) für einen kurzen Trip nach Kuba. Den Job feiern. Das Aufwachen erfolgte, als sie wieder zurück waren. Der Auftrag hat sich in Luft aufgelöst, Daniel ist pleite.
Doch erst mal geht der Filmclub weiter.

"Manche Filme sind eine Enttäuschung, wenn man sie wiedersieht - man muss beim ersten Mal verliebt gewesen sein oder an gebrochenem Herzen gelitten haben, jedenfalls war man wegen irgendetwas besonders aufnahmefähig, aber jetzt, aus einer anderen Perspektive betrachtet, ist der Zauber verschwunden."

Dieses Gefühl befürchtete ich auch, als ich mir nach über 20 Jahren die Abenteuer des David Belfour wieder angeschaut habe. Glücklicherweise blieb der Zauber erhalten. Er gefällt mir heute noch so gut wie damals.


7. Mai 2018

Rüdiger Barth: Wilde Dichter

Obwohl ich diese Bücher ja liebe, denke ich mir manchmal: Was sollen die vielen Bücher über diverse Schriftsteller.
Aber gerade dieses Themenbezogene ist sehr interessant. So etwas erfährt man in vielen einfachen Kurzbiografien einfach nicht.
Ich kenne "Moby Dick" bisher nur als Film mit Gregory Peck. Aber selbst, wenn ich das Buch gelesen hätte, würde ich über den Schriftsteller wahrscheinlich nichts wissen. Ich wüsste vielleicht ein paar Eckdaten von ihm, aber nicht, was er für ein Mensch ist.

In diesem Buch erfahren wir, warum Männer wie Herman Melville, Ernest Hemingway, Jack London, Stephen Crane, Joseph Conrad und B. Traven so schreiben konnten, wie sie es getan haben.
Hatten sie eine blühende Fantasie? Oder konnten sie nur solch tolle Geschichten schreiben, weil sie sie erlebt haben? Waren sie "verrückt" oder besonders intelligent? War ihnen das Talent, zu schreiben, schon in die Wiege gelegt oder haben sie es sich erarbeiten müssen?
Interessante Fragen, auf die wir hier Antworten erhalten.

5. Mai 2018

J.R. Moehringer: Knapp am Herz vorbei

Ein sympathischer Ganove

Willie Sutton wird aus dem Knast entlassen. Ausgerüstet mit einem neuen Anzug und der Auflage, seinen ersten Tag einer Zeitung für ein Exklusivinterview zu widmen. Er ist über siebzig, hat ein krankes Bein und die Befürchtung, den ersten Tag in Freiheit nicht zu überleben.
Er verbringt die erste freie Nacht im Plaza und macht sich dann mit Schreiber (der Reporter) und Knipser (der Fotograf) auf den Weg in seine Vergangenheit. Sie kutschieren ihn durch Brooklyn, der Stätte seiner Kindheit, seiner Jugend, seiner ersten und einzigen Liebe.

Willies Eltern kamen vor vielen Jahren von Irland hierher. Der Vater ist Hufschmied. Das Geld reicht vorne und hinten nicht. Aber er versäuft es wenigstens nicht. Seine Mutter wäscht und putzt den ganzen Tag, obwohl das sinnlos ist in dieser dreckigen Gegend.
Seine Schwester ist jung gestorben. Gehirnhautentzündung? Sie wissen es nicht. Die Brüder verprügeln ihn in aller Regelmäßigkeit. Das geht so lange, bis diese endlich einen Job bekommen bzw. eingezogen werden.


2. Mai 2018

Leena Lander: Die Insel der schwarzen Schmetterlinge

Erschienen bei btb
Ich habe mich anfangs geärgert, dass ich vorab ein paar Rezis gelesen habe. Da waren die Leser nämlich ziemlich beeindruckt von dem Buch und fanden es so toll.
Bis über die Hälfte des Buches weiß ich noch nicht, warum die so begeistert sind.

Das Buch wurde 2014 zur Frankfurter Buchmesse, wo Finnland Ehrengast war, neu aufgelegt.

Bis über die Hälfte des Buches weiß ich noch nicht, wie ich es einordnen kann - als Familiengeschichte? Als Krimi? Bisher kommt mir beides zu kurz.
Ich kann auch die Sprünge nicht richtig einordnen und die Personen mit den fremd klingenden Namen bzw. die nur "der Mann" und "die Frau" genannt werden.

Was ich weiß, ist, dass ich in einer Rückblende den Jungen Juhani Johansson kennenlerne. Der Vater ist Alkoholiker, die Mutter leidet wohl unter Depressionen. Nachdem sie das jüngste Kind ins Wasser fallen ließ und Juhani es wieder rausgeholt hat, kommt er auf eine kleine Insel vor der Küste Finnlands in ein Erziehungsheim für Jungen. Dort ist er anfangs allerlei Schikanen ausgesetzt. Doch er lebt sich mit der Zeit ein.

1. Mai 2018

Otto Dov Kulka: Landschaften der Metropole des Todes - Auschwitz und die Grenzen der Erinnerung und der Vorstellungskraft

Erschienen im Verlag DVA
Aus dem Hebräischen übersetzt von Inka Arroyo Antezana sowie Anne Birkenhauer und Noa Mkayton

1978, während eines internationalen Kongresses in Polen, fuhr Otto Dov Kulka nach Auschwitz. Er flog nach Krakau und von dort weiter mit einem Taxi. Und während der Taxifahrer erzählt und erzählt, reagiert er nicht mehr auf seine Worte und beginnt sich zu erinnern:

"Ich nehme nicht mehr auf, was er sagt. Ich nehme vielmehr diesen Weg auf. Spüre plötzlich, dass ich an diesen Orten schon einmal gewesen bin. Ich kenne die Schilder, diese Häuser.
Obwohl es eine andere Landschaft gewesen war, eine nächtliche Winterlandschaft, vor allem in der ersten Nacht, aber dann auch eine Landschaft bei Tag, und ich verstand etwas, worauf ich nicht vorbereitet gewesen war: dass ich in der Gegenrichtung auf jener Straße fuhr, auf der man uns am 18. Januar 1945 und in darauffolgenden Tagen hinausgeführt hatte, hinaus aus diesem unheimlichen Getriebe, aus dem, da war ich mir sicher, da waren wir uns alle sicher, es kein Entrinnen gab."


Christine Dähn: Ute Freudenberg Jugendliebe: Die Biografie

Erschienen im Verlag Neues Leben
Kennt ihr euch mit DDR-Sängern aus? Jugendliebe war eines der bekanntesten Lieder; gesungen von Ute Freudenberg und der Gruppe Elefant. Sobald dieses Lied beginnt, kann ich bis zum Ende mitsingen. Kürzlich habe ich mir eine alte Schallplatte von der Band gekauft.

Wollt ihr mal reinhören?

Ich war sehr gespannt, was ich über die Sängerin erfahre, die immer noch singend unterwegs ist.

Und ich kann einfach nur "Wow" sagen. Was für eine Biografie, eine wie ich sie noch nie gelesen habe. Poesie pur. Ich frage mich nur, wie viel davon ist Christine Dähn und wie viel Ute Freudenberg? Christine Dähn, TV- und Hörfunkjournalistin, war Moderatorin bei DT 64, Fernsehmoderatorin beim MDR und VOX. Im Verlag Neues Leben erschienen von ihr zuletzt
zwei Biografien über Thomas Natschinski und über die Band KARAT.

Die Frage kann ich mir wohl erst beantworten, wenn ich noch ein Buch von Christine Dähn lese, was ich ganz sicher tun werde.


28. April 2018

Lucy Diamond: Der Sommer mit meiner Schwester

Polly hat seit Jahren keinen Kontakt zu ihrer Familie und arbeitet erfolgreich in der Londoner Finanzwelt. Sie glaubt, fest im Sattel zu sitzen, leistet sich allen erdenklichen Luxus und wird eines Tages zum Chef bestellt. Sie freut sich schon auf die Erhöhung ihres Bonusses, als er ihr mitteilt, dass sie entlassen ist.

Clare ist geschieden, arbeitet in einer Arztpraxis und lebt mit ihren beiden Kindern im Heimatdorf. Sie hat zwar finanzielle Sorgen, da der Vater des Kindes nur unregelmäßig Alimente zahlt, aber im Großen und Ganzen ist sie glücklich. Sie liebt ihre Kinder, die Eltern wohnen gleich um die Ecke und sie und ihre Freundinnen halten zusammen wie Pech und Schwefel.

Ohne es zu wissen, teilen die Schwestern ein Geheimnis aus Kindertagen. Es hat mit dem Tod ihres Bruders Michael zu tun und ihr bisheriges Leben nachhaltig beinflusst.

27. April 2018

Neu im Regal

Hier kommt der zweite Teil:

 Auf einer der kleinsten und einsamsten Inseln in Orkney, einem Archipel nordöstlich von Schottland, verbringt ein ungleiches Paar seine Flitterwochen: ein angesehener Literaturprofessor und seine vierzig Jahre jüngere Braut... Traumhaft, atmosphärisch, poetisch entwickelt sich die Geschichte einer Obsession, in der die zauberische Landschaft, die Farben und Elemente eine ebenso große Rolle spielen wie die beiden ungleichen Liebenden.

 Die authentische Geschichte einer Frau, die plötzlich erfährt, was es heißt, eine Jüdin zu sein - und von Menschen, die auf die Stimme ihres Gewissens hören.